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Freiburger Nachrichten, 10. Mai 2008/ Gastkolumne Kultur
VOM AUFFRISCHEN DES GEISTES
Es kann sein, dass es nötig wird, den Geist aufzufrischen.
Dann, wenn unerbittlich die Macht der Gewohnheit lauert, Farbigkeit in Grau erstickt.
Ein neuer Blick in die Stunde, den Tag, die Zukunft, anstelle des verbissenen Lebenskampfes ?ich bin der Stein, ich will deine Zähne?.
Oder wie ?Halt auf Verlangen? im Zug. Aussteigen aus einer Welt, wo alles auf Normaldimension gestaucht werden soll, viele nach stereotypen Vorstellungen leben müssen.
Einsteigen in einen Dialog mit einem Kunstwerk. Das wäre ein Versuch wert. Das kann sogar glücklich machen!
Angesichts der Realität optimistisch sein ist oft schwierig und pessimistisch sein endet meist in Selbstmitleid.
Gibt es den Spiegel, der spiegelt was ist? Was liegt unter der Oberfläche, in den komplexen Menschenbeziehungen?
Was bleibt verborgen, obwohl das Erkennen existenzielle Bedeutung im Leben hätte?
Es gibt die Sehnsucht:
Wär?s die, ein Leben zu führen, wie das der Traumbilder am Morgen zwischen Erwachen und Wachsein?
Wär?s die, ein Leben des Lamentos zu führen, gegen alles was negativ empfunden wird, in der Hoffnung, so zur Katharsis zu kommen?
Ein Leben in einer scheinbaren Geräumigkeit im Körper, wenn Fieber oder Droge eine Ahnung von unsichtbaren Dimensionen bringen sollten?
Es gibt die Erfahrung:
Da sind diese Tage, die scheinen zu fliessen. Es reiht sich eines ans andere. Das Schlafen ans Riechen, das Husten ans Denken, das Malen ans Sehen, das Hören ans Frieren..und die Sekunden fliessenfliessen, kein Tagschlaf, die Schritte gleichen den Sekunden.
Gute Ruhe, schlechte Ruhe.
Es reiht sich Vorgekautes an Vorgesagtes, falsches Wissen an falsches Werten. Keine Rettung. Der Geist muss aufgefrischt werden.
Die Fähigkeit der Nachsicht mit unsrem eigenen Geist, ihn nicht zu quälen, ihm aber gute Orte zu gönnen, kann in der Betrachtung von Kunstwerken liegen. In alten, in jungen - irrelevant. Da gibt?s den Spiegel, der spiegelt was ist. Kein Ratschlag, kein Rezept, keine neue Theorie. Das Gegenteil. Es begegnen uns die bekannten Fragen zu Leben und Tod und es reiht sich der Geist in die Kette vergangener Leben, Mensch an Mensch, von heute bis weit zurück.
Viele Fragen sind ewig, es reiht sich Geist an Geist. Das Betrachten von Kunstwerken bringt dichte Augenblicke. Ergriffensein.
Sus Heiniger
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Kolumne in: Monatliche Gedanken, hrsg. röm.-kath. Pfarrei und ev.-ref. Kirchgemeinde Murten. Sept. 1999
Ihr seid das Salz der Erde
Ihr seid das Licht der Welt
Jesus
Zum Salz
Dies Bild ist gut übertragbar auf die heutige Welt, Salz als Würze kennt jeder.
Kein Fertigprodukt, das Salz, eine Essenz ist es, entstanden aus Erde und Himmel und das seit jeher.
Ich kenne einen kleinen Salzsee, der ist rosa und manchmal rostigrot. Er hat stets Bewegung in sich, denn er liegt nah am Meer, seiner Mutter im Wind, wo er immer wieder aufgefüllt wird mit Wasser und dann zeitweise austrocknet, im Naturrhythmus. Er ist offen und breit und schluckt Licht und Wärme. Und wenn er gerade ausgetrocknet ist kann man sein Salz riechen und schmecken und es ist kräftig und selbstverständlich immer wie Salz ist und nie ohne Eigenschaft dieser Schärfe.
Er wird nicht mehr gebraucht von den Menschen zum Handel, der See, aber seit Jahren liegt er weiter in seinem Salz.
Ich besuche diesen See immer wieder . Er zieht mich an mit seiner Salzfarbe, die wie eine Farbe der Ewigkeit ist und mit seiner bewegten Ruhe. Von diesem See Ort nehme ich mir mein Salzgefühl mit, das von der Würze und Schärfe, das von dem Salz, das entsteht weil der See offen und bewegt ist zwischen Erde und Himmel und so in Selbstverständlichkeit seine Essenz gebiert. So ist der See doch noch im Handel, oder etwa nicht?
Solche Essenz seien wir , sagt Jesus. Zum Gebrauch freigegeben. Eines jeden Menschen Worte und Taten können allem was damit in Berührung kommt Geschmack und Schärfe, Würze geben.
Kein schlaffes laues Alles-Ist-Gleichgültig. Kein müdes Sich-Vollstopfen mit würzloser Nahrung. Salz ist gegeben, vorhanden, Salz ist gefragt. Nicht, dass es nicht zur Verfügung stünde das Salz ist das Problem, dass Mensch an Salzbergen vorbeizieht ist es vielmehr. An den eigenen sogar. ER weiss, dass jeder Mensch sein Salz produzieren kann zu seiner Verfügung.
Einmal als Würze erkannt, ist Mensch das Salz selbst, so wie die Wellen das Wasser sind.
Was würze ich?
Was würze ich nicht?
Zum Licht
Ihr seid das Licht der Welt, sagt er.
Wenn einer von den Menschen sagt, dass sie hell wie Licht sind, dass sie leuchten , dass sie leuchten sollen, dann traut er ihnen viel Gutes zu.
Er sagt das auch weil er weiss, für absolut alles braucht der Mensch das Licht.
Kein anderes Lebewesen hat soviel zerstört wie die Spezies Mensch . Obwohl das Licht- ebenso wie das Salz- seit Anbeginn der Welt zur Verfügung stand, hat sie viel Dunkles gewählt.
Mensch ist die Zeit geschenkt. Die Lebenszeit. Ins Licht geboren hat er die Möglichkeit, das Licht zu sehen. Und er solle es gar werden, sagt der sich Gottes Sohn nennt.
Selbsterkenntnis also?
Wieder kein Fertigprodukt, das zum Kauf angeboten wird. Etwas, das ich schon sei. Eine Anwesenheit in mir.
Aber Mensch sucht und sucht. Es wird gesagt wo und was es ist das Licht. Es heisse Glück.
Neiden und raffen, kaufen und rennen Richtung Glück, immer Richtung Glück. Wer sagt was?
Strömungen, Flüssen gleich entstehen Richtung Licht, das Glück heisst und es ist doch nur die Verblendung.
In alles und jedes tut Mensch etwas hinein was er denkt , wie es sei. Und so soll es bleiben.
Das macht Spass und plötzlich eng. Und eine Erlösung wäre dann gefragt. Licht und Erkenntnis, Erhellung für den weiteren Weg. Heimweh.
Viele Wegweiser bieten Mensch Führung an und hinter der nächsten Wegbiegung liegen die Ketten bereit.
Mehr Schafe, eine grössere Herde als der andere, heisst reich, heisst Einfluss reich. Herrscher treten ins Licht und anstelle von Licht.
Viele sagen Gott und ihr Wegweiser weist Richtung Fertigprodukt. Viele sagen Gott und schauen nie in andere Gesichter. Während ihrer Lebenszeit nie, die jeden Tag für sie zur Verfügung ist. Jeden Tag für jeden dieselbe Stundenzahl. Gerecht.
Und eines Tages: 1 Stunde lang in ein anderes Gesicht schauen. Nur das: schauen und stumm. Still aber wach.
Geteiltes Licht. Zum Abgeben von Innen nach Aussen. Zum Aufnehmen von Aussen nach Innen. Kein eitler Gedanke dabei, damit der Fluss des Schauens nicht unterbrochen wird. Gemeinsame Lebenszeit ist gemeinsame Erdenzeit ist gemeinsam im selben Licht.
Rotes, gelbes, schwarzes, weisses Menschengesicht, Weltgesicht.
Jeder Schauende, der seinen Lichtschalter anmacht, wird das Gesicht vis-à-vis besser erkennen. Nur eine Stunde lang,-----einmal wäre das auszuprobieren. Wer weiss wieviel Licht sich da ergeben würde oder bin ich naiv?
Viele sagen Gott und wenn viele Licht meinten, wenn sie Gott sagen, wüssten viele mehr, wovon der andere Mensch spricht.
Es hat keine Form und ist doch da. Es hat kein Geld und ist doch Kraft. Es hat kein Heer und ist doch mächtig.
Unser nächstes Jahrtausend könnte sich umtun mit all dem Gegebenen zur Verfügung Stehenden, etwas zu tun für das Weltgesicht im Licht. Mit all dem Salz und all dem Licht.
Es könnte auch Spass machen , wenn die Angst, zu klein zu sein, nicht Religion hiesse. Sie könnte auch würzig und licht sein diese Arbeit, wenn die Angst nicht genug Fertigprodukte- Anhänger zu werben, nicht Religion hiesse. Dass es nicht zur Verfügung stünde,- das Licht- ist nicht das Problem, dass Mensch es nicht sieht ist es vielmehr.
Wenn ich ein Quantum Licht jeden Tag schlucke, können die äusseren Umstände schlecht vielleicht gar feindselig sein, meinen Geist aber nicht stören.
Ab und zu rutsche ich auf meinem Stuhl etwas nach vorne und schaue nach hinten: geht es ? Mein Lichtwesen, der Schutzengel soll genug Platz haben.
Hast du schon mal gesehen wie Licht im Salz aussieht?
Oder Salz im Licht ?
Sus Heiniger
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